Obsession durch Technik (G)

06-07/2007
Obsession durch Technik
Ausstellung kuratiert von Patrick Heide bei ArtMbassy, Berlin
Teilnehmende KünstlerInnen:
Isabel Albrecht, Astrid Bowlby, Sarah Bridgland, Matthias Hagemann, Alex Hamilton
Andy Harper, Karoly Keserü, Thomas Kilpper, Hans Kotter, Dirk Krecker, Cora Jost

In der Ausstellung „Obsession durch Technik“ versammelt der Kurator Patrick Heide aus London eine Auswahl von KünstlerInnen, die durch Anwendung sehr spezieller künstlerischer Techniken einen obsessiven Charakter in ihrer Kunst offenbaren. Bei allen gezeigten KünstlerInnen ist die Technik oft Ventil für ein Besessensein von Kunst und bestimmten künstlerischen Themen. Entscheidend für die Auswahl der Arbeiten waren nicht die angewandten Techniken oder verwendeten Materialien an sich. Vielmehr geht es in der Ausstellung darum, dass die technischen Arbeitsweisen den Absichten des Kunstwerkes und dem Charakter des Schaffenden, also der Seele von Werk und Künstler, entsprechen und freilegen.
Der Titel „Obsession durch Technik“ ist angelehnt an den vor allem in Deutschland und Großbritannien sehr bekannten Werbespruch „Vorsprung durch Technik“ des Automobilherstellers Audi. Er spielt mit dem deutschen Klischee guter Technik als Grundlage für jedes erfolgreiche Produkt.
Die Ausstellung „Obsession durch Technik“ präsentiert jeweils fünf künstlerische Positionen aus Deutschland und London:
Die in nahezu klassischer Technik gefertigten Öl- und Tuschezeichnungen von Isabel Albrecht und Astrid Bowlby tragen durch die Regelmäßigkeit bzw. Detailversessenheit ihrer Motive offensichtlich zwanghafte Züge. In den Schreibmaschinen - und Fotokopiezeichnungen von Dirk Krecker und Alex Hamilton werden diese Züge über mechanische Zwischenschritte verstärkt und verfremdet. Karoly Keserüs und Andy Harpers Gemälde verwickeln den Betrachter in eine Art visueller Reise. Ihre Bilder erscheinen auf den ersten Blick maschinell oder traditionell gefertigt, zeigen im Detail jedoch eine ausgesprochen eigenwillige, kontrollierte und langwierige Maltechnik. Obsessive Züge tragen in der Konsequenz ihrer Anwendung auch die fotografischen Techniken von Matthias Hagemann und Hans Kotter, die Camera Obscura sowie die Makroaufnahmen von Lichtbrechungen in Glas. Im Ergebnis sind sie hingegen sehr verschieden, Hagemanns Motive sind nostalgisch, dokumentarisch und schwarz-weiß, Hans Kotters dagegen abstrakt, organisch und farbkräftig. Physischer, handwerklicher und damit noch direkter sind die Miniaturcollagen von Sarah Bridgland und vor allem die fast skulpturalen Holzschnittinstallationen von Thomas Kilpper. In der Größe gegensätzlich, kontrastieren sie den im kleinsten Detail und auf kleinstem Raum arbeitenden Künstlertypus mit dem in großen, ausladenden, fast groben Gesten arbeitenden Typus.
Die bei einem Kunstwerk angewandte Technik ist traditionell das zugrunde liegende Handwerk. Sie zwingt den Künstler, der Idee sowohl eine physische, wie auch visuell und kompositorisch funktionierende Form zu geben. Die Technik ist Mittel zur Kontrolle, Dosierung und Lenkung im künstlerischen Schaffensprozess. Im Umfeld einer zeitgenössischen Kunsttheorie, die ausschließlich Idee und soziale Relevanz eines Kunstwerkes in den Vordergrund stellt, wirkt eine Berufung auf die Technik geradezu altmodisch. Doch durch das Wiederaufleben von figürlicher Malerei und der Zeichnung als Medium des Spontanen, Unterbewussten und des nicht zuletzt technisch Versierten, ist wieder Raum und Anerkennung für zeitlose, teils sogar traditionelle Elemente im Schaffen der heutigen Künstler entstanden.
Ausgeprägte und versierte Technik im Kunstschaffen geht oft einher mit obsessivem Kunstschaffen. Die Obsession, das Besessensein der Künstlerin oder des Künstlers, enthüllt den Kern des Schaffensdrangs und ist immer wieder Antriebskraft für die Entstehung unzähliger bedeutender Kunstwerke.
In diesem Besessensein von Kunst und seinem Ausdruck mittels Technik im Schaffensprozess liegt die fortbestehende Relevanz von technischer Brillanz und der „Obession durch Technik“ in der Kunst.
Patrick Heide betreibt seit 2004 in London einen Projektraum für zeitgenössische Kunst mit internationalem Programm und Schwerpunkten in deutschen Positionen und Arbeiten auf Papier. Im September dieses Jahres eröffnet er die Galerie Patrick Heide Contemporary Art.

 
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